
Früh morgens – nicht unbemerkt von der Nachbarschaft – fuhr eine „grüne Minna“ vor.
Fritz wusste schon beim Klingeln, was kam.
Seine gepackten Sachen standen parat. – Er war früh aufgestanden, angezogen und abfahrbereit.
Der Wachtmeister vor der Wohnungstür grüßte kurz, wedelte mit einem Schriftstück und sagte dann ohne Umschweife: „Herr Doktor, sie kommen bitte mit uns mit!“
„Bleib nicht so lange weg!“ witzelte seine Angetraute, die vergeblich ihre Tränen zu unterdrücken versuchte.
Von den Stimmen geweckt, lugte sein Jüngster aus der Zimmertür.
Doch da hatten sich die, zum Abschiedskuss gespitzten, Lippen seiner Mutter schon wieder entspannt und er sah seinen schirmbemützten, polizeibegleiteten Vater in der von ihm meistgetragenen Tweed-Joppe nur noch die Treppe hinabgehen.
***
In der Vorweihnachtszeit war Fritz schwer ums Herz.
Sentimentalität ließ er selten zu.
Zu viele Dramen hatte er schon miterlebt, um sich selber zu bedauern.
Trotzdem: Das bedrückte. – Das nahende Weihnachtsfest, Strafanstalt, gefangen sein…
Er stand auf einem Hocker in seiner Einzelzelle und sah aus dem vergitterten Fenster.
Das war eine neue, unfreie Erfahrung, von der er sich nicht hätte träumen lassen.
Die kurze, nachmittägliche Besuchszeit, zu der sich seine Frau nebst ältester Tochter angekündigt hatte, nahte.
Beim „Über den Tisch hinweg-Händehalten“ mit seiner Gattin übermittelte sie ihm die vielen Grüße aus dem Heimatdorf.
Tochter Leni heulte ununterbrochen, tief betroffen ihren Vater in dieser Umgebung wiederzusehen.
Zum Abschied händigten sie ihm die selbstgebackenen Weihnachtskekse und Weihnachtspost aus. Dann war er wieder für sich.“

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