
Es wurde getanzt.
Die Großraum-Duftmischung aus Tabak, den 4711- und Tosca-Parfüms älterer Damen und der unbeschreiblichen „Frischluft“, die von den geschminkten Fräuleins in ihrem Alter ausging, wurde von den jungen Herren begierig eingesogen.
Beim nächsten Foxtrott hielt es Peter nicht mehr auf dem, zur Tanzfläche gedrehten, Tresenhocker, von dem aus er schon mehrfach in Richtung der kessen Blonden geschaut hatte.
Was soll´s?
Was gabs zu verlieren?
Erfahrungen hatten er und seine Kumpels bei den regelmäßigen, sonntäglichen Tanztees gesammelt, zu denen sie von den örtlichen Hoteliers bereitwillig eingelassen wurden.
Die jungen – und noch viel mehr die älteren – Damen, wollten schließlich bewegt werden.
Wollten was erleben.
Mit gewienerten Schuhen, einem Einstecktuch in der Sakko-Brusttasche und frisch odolisiert, um den Tabakgeruch zu tilgen, hatte er es schon öfter gewagt, eine Dame zum Tanz aufzufordern.
Entschlossen und so galant wie möglich lenkte Peter seine Schritte an ihren Tisch.
Ermutigend, dass sie den Augenkontakt hielt, als er näherkam.
Mit einer angedeuteten Verbeugung stellte er ihr die obligatorische „Darf ich bitten?“-Frage.
Tatsächlich reichte sie ihm, fröhlich lächelnd, ihre feuchte Rechte und ließ sich aufhelfen.
Kurz drehte sie sich nochmal um, zur Kontrolle ob die Handtasche auch sicher unter dem Stuhl stand, und dann waren sie auch schon mitten drin.
Beklommen, aber zunehmend sicherer, nahmen sie den Rhythmus auf und bewegten sich übers abgetretene Parkett.
Versehentlich wurde in der Enge geschubst oder auch ungelenk auf die Füße getreten.
Egal.
Ums Tanzen gings ja nur nebenbei.
Ein wunderbares Gefühl, diese Körpernähe.
Seine Hand auf ihrem Rücken.
Ihre Hand auf seiner Schulter.
Die blauen Augen.
Das zarte Rosa ihres Lippenstifts.
Der perfekte, vom Haarspray begünstigte Sitz ihrer auftoupierten Haare.
Ihr verlockend naher Ausschnitt.
Das war so viel besser, als das sehnsüchtige Blättern in den Herrenmagazinen seines Vaters, die ihm beim Herumstöbern in die Hände gefallen waren.
Für Konversation wars zu laut.
Nach dem Beklatschen des gerade beendeten Stücks nutzte Peter die kurze Ruhepause, um: „Ein Schaumwein für die Dame?“ vorzuschlagen.
Erfreut willigte sie ein.
„Da sag´ ich nicht Nein!“

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